Blog von Marit Meinhold – Episode 11

Abschied nehmen

» Ich kann auf ein Jahr zurückblicken, in dem ich unzählige Erfahrungen sammeln und Begegnungen erleben durfte, die ich nirgends sonst hätte machen können und für die ich sehr dankbar bin.

Vor zwei Wochen habe ich das letzte Mal die Tür meiner Wohnung im Tertianum hinter mir zugezogen. Das gravierte Namensschild an der Tür habe ich als Andenken mitgenommen; es liegt jetzt auf meinem Schreibtisch und bringt mich zum Lächeln, wenn mein Blick darauf fällt. Genau 365 Tage habe ich im Tertianum in Konstanz gewohnt und obwohl sich das Jahr bei meinem Einzug endlos lang vor mir zu erstrecken schien, ist die Zeit dort immer schneller vergangen, so dass der Auszug viel eher vor der Tür stand, als ich erwartet hätte.

Ich kann auf ein Jahr zurückblicken, in dem ich unzählige Erfahrungen sammeln und Begegnungen erleben durfte, die ich nirgends sonst hätte machen können und für die ich sehr dankbar bin. Wenn ich die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lasse und die Blogeinträge noch einmal lese, dann scheint es mir kaum vorstellbar, dass am Anfang dieses Projekts so viele Ungewissheiten und Unsicherheiten bei allen Beteiligten standen. Im Nachhinein scheinen sich die Kontakte zu den Bewohnern ganz selbstverständlich ergeben und entwickelt zu haben. Mir ist jedoch durchaus bewusst, dass diese Selbstverständlichkeit nur dadurch entstehen konnte, dass sowohl die Bewohner als auch ich uns auf die Begegnungen eingelassen haben, dass alle Beteiligten der Neugier und dem Wohlwollen den Vorzug vor Berührungsängsten und Zweifeln gegeben haben. Ich hatte kaum je den Eindruck, dass Bewohner mir zögerlich begegneten. Bei unserem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken sagten mir jedoch einige, dass sie vor meinem Einzug skeptisch waren, ob ein junger Mensch sich in einer Seniorenresidenz wohlfühlen könne, ob ich nicht das Gleichgewicht im Haus durcheinanderbringen würde und ob sie mir als Mitbewohner überhaupt etwas zu sagen oder zu bieten hätten. Glücklicherweise erwiesen diese Zweifel sich als unbegründet. Ich fühlte mich sowohl in meiner Wohnung als auch im Haus generell schnell zuhause und obwohl meine Anwesenheit einige Routinen – zum Beispiel beim Essen – durchbrach und auflockerte, war niemand gezwungen, seinen Lebensrhythmus komplett umzukrempeln. Viele Bewohner fragten mich über das Jahr hinweg immer wieder, ob das Projekt mir persönlich denn auch etwas bringe und ich konnte und kann diese Frage nur rundheraus bejahen.

Ich habe gelernt, mich auf unterschiedlichste Menschen und Geschichten einzulassen, Dinge geduldig zu erklären, aber auch selbst geduldig zuzuhören und mich mit ganz anderen Blickwinkeln auseinanderzusetzen. Ich habe viele neue Anregungen und Ratschläge bekommen und ich habe mich sehr darüber gefreut, sowohl Wissen weiterzugeben, als auch neues Wissen vermittelt zu bekommen. Ich denke, jeder Mensch genießt das Gefühl, gebraucht zu werden und jemand anderem etwas Gutes tun zu können – sei es, dass man bei einem Problem weiterhelfen kann oder dass man einfach „nur“ im richtigen Moment da ist, um zuzuhören oder jemanden zum Lächeln zu bringen. Mein allgemeines Fazit ist daher, dass sich der Wert eines Dialogs zwischen den Generationen zwar nicht in einer einfachen Gleichung darstellen lässt, dass aber alle Beteiligten dadurch bereichert werden und ihren Horizont sowie ihre generelle Zufriedenheit verbessern können.

Im Lauf des Jahres im Tertianum habe ich einen ganzen Stapel von Rundbriefen, Zeitungsartikeln, Kulturprogrammen, Bildern und ähnlichem angesammelt, die nun mit mir in die nächste Wohnung umgezogen sind. Viel größer als dieser Stapel ist aber der Schatz an Geschichten, an Begegnungen, die sich mir eingeprägt haben und an gemeinsam verbrachten Momente, für die ich sehr dankbar bin. «

Über das Projekt Student in Residence

Die Tertianum Premium Residences in Berlin, München und Konstanz folgen der Überzeugung „Das neue Alter ist alterslos“.

Diesem Grundsatz entsprechend initiiert Tertianum das Programm „Student in Residence“: Ab dem Wintersemester 2017/18 wohnt eine Studentin für die Dauer eines Jahres kostenfrei in einer Stadthaus-Wohnung der Tertianum Suites in Konstanz, inklusive 5-Sterne-Service. Im Gegenzug verbringt die Studentin 20 Stunden im Monat mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.

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