Expertengespräch

Die Wichtigkeit zwischen Wohnen und Pflege

Welche Entwicklungen beobachten Sie in den letzten 5 Jahren?

Anna Schingen: Das Wohnangebot für die rund 22 Millionen Menschen in Deutschland, die älter als 60 Jahre alt sind, wird langsam vielfältiger und größer. Diese Entwicklung spiegelt auch eine stärkere Individualität der Menschen wider, welche heutzutage auch im Alter eine immer stärkere Rolle spielt. So will ein Großteil auch im Alter nach seinen Vorstellungen leben und den Ort sowie die Leistungen selbst wählen – mit einem Rahmenangebot und Wahlmöglichkeiten in unterschiedlichen Lebensbereichen. Doch bei aller Freude über das wachsende, vielfältige Angebot besteht in Deutschland im Bereich Wohnen im Alter immer noch eine Versorgungslücke von rund 500.000 Wohnungen*

Inken Albrecht: Der demografische Wandel ist in der Pflege klar spürbar durch die wachsende Anzahl der Älteren und im Verhältnis auch der zu Pflegenden. In jeder Wohnlösung im Alter wird von Anfang an die Pflege mitgedacht – ambulant und stationär. So kann der zu Pflegende individuell betreut und das Pflegepersonal für ihren wunderbaren sozialen Beruf angemessen gewürdigt werden. Die Berufsbilder in der Altenpflege entwickelten sich vom einem Beruf mit wenig Anerkennung hin zum Kampf um die besten Pflegefachkräfte. Und dieser Kampf bedingt mittlerweile einen hart umkämpften Arbeitsmarkt. Pflegekräfte sind moderne Arbeitsnomaden geworden und rar gesät. Sie können sich mittlerweile den Arbeitsplatz mit dem besten Vertrag und den besten Rahmenbedingungen aussuchen. Die größte Veränderung in der Pflege der letzten Jahre ist sicherlich die Umstellung von Pflegestufen zu Pflegegraden durch das Pflegestärkungsgesetz mit dem Ziel, die Realität der zu Pflegenden besser abzubilden. Durch die zukünftige Pflegereform ab 2020 werden weitere von der Politik angestoßenen positiven Veränderungen implementiert.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die wichtigsten Kriterien für eine Wohnlösung im Alter?

Anna Schingen: In allen drei Tertianum Residenzen führen wir regelmäßig Gespräche mit Bewohnern sowie Interessenten, die wir gern beraten, zum Probewohnen willkommen heißen oder bei der wöchentlichen Hausführung begrüßen. Daraus abgeleitet sind die wichtigsten Kriterien:

  • Die Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit in der eigenen Wohnung mit der Option weitere Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
  • Die Infrastruktur der Residenz, wie z. B. bei Tertianum auf die Rezeption mit Conciergeleistungen, das Restaurant, das Kulturangebot, die Kulinarik, die Sportangebot und bei Bedarf auf ambulante oder stationäre Pflege zuzugreifen. Zu wissen, dass alles in Rufweite ist, schafft Vertrauen und Sicherheit für die Bewohner.
  • Die Infrastruktur auch außerhalb des Hauses ist wichtig. Bei uns ist es die zentrale Lage, durch die die Bewohner aktiv am Leben der Stadt teilnehmen und nicht abgeschnitten sind.
  • Wer nicht allein sein will, entscheidet sich für Betreutes Wohnen. So ist man Teil einer Gemeinschaft und gestaltet trotzdem seinen Lebensstil ganz individuell.

Meine Empfehlung für Neugierige und Interessenten ist immer:

  1. Kommen Sie zum Probewohnen, um sich einen Eindruck einer Premium-Residenz zu verschaffen. Denn mangels gesetzlichem Gattungsbegriff nennen sich leider viele Institutionen im Bereich der Pflege oder des Betreuten Wohnens „Seniorenresidenz“, sie bieten aber sehr unterschiedliche Angebote hinsichtlich Umfang & Qualität der Services und Räumlichkeiten.
  2. Entscheiden sie in Ruhe, denn für viele ist es der letzte Umzug an einen Ort, an dem man sich lange wohlfühlen, gut aufgehoben und bei Bedarf auch gut betreut wissen will.
Welche Rolle spielt das Pflegeangebot im Gesamtpaket?

Inken Albrecht: In den Gesprächen mit Interessenten hat die Pflege einen sehr hohen  Stellenwert, um eine vorausschauende und fundierte Entscheidung treffen zu können. Die Qualität der Pflege wird sehr genau überprüft, deshalb  ist eine ausgezeichnete Bewertung durch den MDK** ein Gradmesser.

Der Vorteil z. B. eines eigenen, komfortablen Pflegewohnbereiches innerhalb des Hauses – auch bei Tertianum – macht das Leben im Falle einer vollstationären Pflegebedürftigkeit viel leichter. Die Situation bedeutet dann, dass niemand umziehen muss oder getrennt wird. Bei einem Paar kann es zum Beispiel sein, dass ein Partner weiterhin in der eigenen Wohnung  und der andere im Pflegewohnbereich auf einer anderen Etage wohnt.

In wie fern unterschiedet sich das Angebot von Tertianum in Wohnen & Pflege von anderen Anbietern am Markt?

Anna Schingen: Wir beachten die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen. Wir bieten in allen Häusern eine ambulante Pflege an und verfügen in jedem Haus über einen eigenen Pflegewohnbereich. Wir unterscheiden uns nicht nur in der Pflege sondern in allen Servicebereichen, in dem wir uns Zeit nehmen. Möglich wird das durch einen höheren Personalschlüssel als bei anderen Anbietern. Zusätzlich investieren wir permanent in die Qualität all unserer Dienstleistungen und weniger in Werbung. Das kommt Bewohnern und Mitarbeitern zugute und spricht sich rum.

Inken Albrecht: Auch in der Pflege sowohl ambulant als auch stationär nehmen wir uns Zeit für die Klienten und betreuen sie ohne Hast und sehr individuell. Allein auf unseren drei Pflegestationen ist der Personalschlüssel 2,5-mal höher als gesetzlich vorgeschrieben. Das schafft eine Atmosphäre in der sich die Bewohner und Pflegekräfte wohlfühlen.

Was prognostizieren Sie für die Zukunft des deutschen Wohnmarktes für Senioren?

Inken Albrecht: Der  Bewohner steht für uns heute und auch morgen im Mittelpunkt. Dank des medizinischen Fortschritts werden mehr Menschen sehr viel älter und das „alterslose Alter“ verlängert sich. Zusätzlich wird der technische Fortschritt inkl. der Digitalisierung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Betreuung der Älteren beitragen. So wird durch Robotik die körperlich schwere Arbeit erleichtert und zusammen mit technischen Lösungen werden die Pflegenden sehr viel mehr Zeit für die persönliche, menschliche Betreuung haben.

Anna Schingen: Schon heute ist spürbar, dass die „One-size-fits-all“-Lösungen nicht mehr zu den Bedürfnissen der Älteren ab 60 Jahren passen. Ich wünsche mir eine noch stärkere Ausdifferenzierung des Marktes mit zeitgemäßen und innovativen Angeboten. So hat wirklich jeder die Möglichkeit, eine zu ihm passende Wohnlösung im Alter zu finden. Also mehr Kreativität für mehr Individualität.

Danke für die Beantwortung unserer Fragen.

 

*Quelle: Terragon Studie „Versorgungssituation der 30 größten deutschen Städte mit Betreuten Wohnungen“,

**Quelle: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

 

Kurzportrait Anna Schingen, Direktorin Marketing & PR von Tertianum 

Anna Schingen ist seit Mai 2016 die standortübergreifende Marketing- und PR-Direktorin von Tertianum & DPF AG. Sie ist ausgewiesene Expertin für die Kommunikation von Immobilienprojekten & Best Ager Wohnkonzepten und initiierte u.a. das Mehr-Generationen-Wohnprojekt „Student in Residence“ oder das „Generationen-Dinner“ – beides von der Tertianum Gruppe. Zuvor war sie als Beraterin für kreative Kommunikationskonzepte und innovative Markenkampagnen für exklusive Immobilienprojekte bei der Agentur TPA Real Estate Brands sowie als PR- und Marketing-Managerin u.a. beim Radio und in klassischen Werbeagenturen tätig.

Kurzportrait Inken Albrecht, Leiterin Pflege und Qualitätsmanagement von Tertianum 

Inken Albrecht ist seit 2012 Teil der Tertianum Premium Residences und verantwortet seit Mai 2016 zentral für alle Tertianum Standorte die Leitung des Pflege- und Qualitätsmanagements. Sie ist ausgebildete Krankenschwester, Diplom-Pflegewirtin und Qualitätsmanagement-Auditorin. Seit Inken Albrecht die Überprüfung und Einhaltung der hohen Qualitätsstandards in die Hand genommen hat, sind die MDK*-Prüfergebnisse in Berlin, München und Konstanz auf sehr gutem Niveau. Die Vollbelegung der Pflegewohnbereiche in allen drei Häusern spricht ebenfalls für sich.