Blog von Marit Meinhold – Episode 2

Leben mit Senioren

» Ein bisschen umstellen muss ich mich aber schon im Zusammenleben mit den Senioren.

Seit meinem Einzug im Tertianum werde ich immer wieder von Bewohnern und Externen gefragt, ob ich mich denn schon eingelebt hätte bei den alten Leuten. Wahrheitsgemäß antworte ich dann, ja, ich fühle ich mich wohl hier und es gefällt mir gut. Gleichzeitig habe ich aber angefangen, darüber nachzudenken, ob es denn einen Unterschied macht, sich „bei den alten Leuten“ einzuleben. Ist es schwieriger, sich hier einzuleben als in einer neuen Stadt oder einer neuen WG? Es gibt auf jeden Fall keine spontanen Stockwerkpartys, bei denen man sich kennenlernt und Brüderschaft trinkt. Auch die Tagesabläufe sind ziemlich unterschiedlich. Wenn ich um halb zehn zur Uni gehe, sind viele der Bewohner schon seit Stunden auf den Beinen und waren vielleicht schon einkaufen oder beim Arzt. Wenn ich mit den Bewohnern mittagesse, lasse ich manchmal das Frühstück ausfallen, weil ich sonst so früh noch gar nicht wieder hungrig wäre. Und wenn ich spät noch durchs Haus gehe, ist zwar bei manchen noch Licht, aber auf dem Flur begegnet mir niemand mehr.

Andererseits ist es nicht so schwer, sich einzuleben und Kontakte zu knüpfen. Wir leben ja in derselben Stadt, hören dieselben Nachrichten, essen das gleiche Essen und haben auch andere Kontakte zur jeweils anderen Generation. Daraus ergeben sich schnell Gespräche, die Gemeinsamkeiten aufdecken können wie eine gemeinsame Abneigung gegenüber Fenchel oder Parallelen im Leben wie ein Au-pair-Aufenthalt im Ausland in jungen Jahren. Natürlich fallen uns auch Unterschiede zwischen den Generationen auf wie zum Bespiel die größeren Freiheiten junger Menschen und besonders junger Frauen heutzutage. Gerade die Unterschiede sind spannend für mich, weil sie mir verstärkt bewusst machen, dass vieles, was in meinem Freundeskreis normal und fast schon selbstverständlich ist, meilenweit von der Realität abweicht, die junge Erwachsene in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern erlebten.

Ein bisschen umstellen muss ich mich aber schon im Zusammenleben mit den Senioren. Mir fällt immer wieder auf, wie viele englische und umgangssprachliche Begriffe ich eigentlich verwende, die ich dann aber doch lieber durch ein deutsches oder allgemein bekannteres Wort ersetze. Und auch das Essen im Haus erfordert ein bisschen Anpassung. Statt ein Tablett durch Menschenströme zu balancieren, während ich nach freien Plätzen Ausschau halte und wenn Suppe auf dem Tablett steht, hoffe, mit dem Großteil derselben am Tisch anzukommen, setze ich mich im Bewohnerrestaurant an einen schön eingedeckten Tisch mit mehreren Garnituren Besteck und Stoffserviette. Da die Teller gebracht und abgeräumt werden, bleibt viel mehr Muße, das Essen bewusst zu genießen. Gemeinsam zu Essen und sich nebenher zu unterhalten ist für mich aber unabhängig vom Ort die schönste Form Kontakte zu pflegen. «

Über das Projekt Student in Residence

Die Tertianum Premium Residences in Berlin, München und Konstanz folgen der Überzeugung „Das neue Alter ist alterslos“.

Diesem Grundsatz entsprechend initiiert Tertianum das Programm „Student in Residence“: Ab dem Wintersemester 2017/18 wohnt eine Studentin für die Dauer eines Jahres kostenfrei in einer Stadthaus-Wohnung der Tertianum Suites in Konstanz, inklusive 5-Sterne-Service. Im Gegenzug verbringt die Studentin 20 Stunden im Monat mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.

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