Konstanz – "Wer sich Zeit nimmt, kann Schätze entdecken" | Tertianum
Interview mit Gaby Hauptmann

»Wer sich Zeit nimmt, kann Schätze entdecken.«

Gaby Hauptmann lebt als freie Journalistin und erfolgreiche Schriftstellerin in Allensbach. Ihre Liebe zum Bodensee führt sie zu versteckten Plätzen, großartigen Köchen und durch malerische Seestädte.
Sie volontierten in Konstanz beim Südkurier und eröffneten früh ein Pressebüro in Lindau. Unterscheidet sich das Lebensgefühl in den beiden Städten?

Beide Städte bestechen durch schöne alte Häuser. So bringen einen sowohl das Alte Rathaus in Lindau als auch das alte Konstanzer Rathaus durch ihre prächtig bemalten Fassaden zum Stehenbleiben – vor allem der Renaissance-Innenhof des Konstanzer Rathauses. In beiden Städten flanieren die Menschen gern durch die malerischen Gassen und genießen die warmen Sommertage bis tief in die Nacht.

Was sollte man in Konstanz unbedingt unternehmen?

Natürlich muss man das Konzilgebäude am Hafen besuchen, denn dort zankten sich ab 1409 drei Päpste um die alleinige Herrschaft. Von 1414 bis 1418 tagte dann das Konklave zur Papstwahl. Was die »Imperia« an der Hafeneinfahrt damit zu tun hat, lässt man sich am besten von einem kundigen Konstanzer Stadtführer erzählen. (Meine Empfehlung: Daniel Gross, Handy-Nr. +49 177 35 9 35 11, keine Einzelpersonen). Sehenswert ist auch der Kaiserbrunnen auf der Marktstätte, unter anderem wegen des Bildnisses der Mailänder Herzogs-Tochter Bianca Maria Sforza, Gattin des Habsburger Kaisers Maximilian I. Da der 1507 die Rechnung für ein rauschendes Fest nicht zahlen konnte, ließ er Bianca – der Sage nach – als Pfand zurück. Ob sie danach überhaupt noch aus Konstanz wegwollte, ist fraglich und leider nicht überliefert.
Natürlich muss man die Konstanzer Niederburg sehen, den Stadtteil zwischen der alten Bischofskirche und dem Rhein, nördlich vom Münster, der eine Zeitreise ins Mittelalter erlaubt. Die kleinen Häuser in der Konradigasse zeugen von dem damaligen intimen Zusammenleben, und das Kloster Zoffingen ist ein letztes Relikt aus jener tiefgläubigen Zeit. Wenn Sie dann noch Puste haben, gehen Sie ins Rosgartenmuseum. Es geht auf den Apotheker Ludwig Leiner zurück, der es 1870 gründete und Teile seiner Privatsammlung darin ausstellte.

In welchen Läden gehen Sie am liebsten bummeln?

Es sind die kleinen Läden, die beide Städte ausmachen. Man findet sie überall in den Gassen, und wer sich Zeit nimmt, kann Schätze entdecken. Noch haben die großen Ketten das individuelle Leben nicht verdrängt. In der früher völlig unbeachteten Konstanzer Neugasse blüht mit einem Nougatgeschäft, einem Goldschmied, kleinen Cafés und einem Blumengeschäft gerade neues, südlich angehauchtes Leben auf. Sowohl in Lindau als auch in Konstanz machen die Kunstauktionen von Michael Zeller und Carlo Karrenbauer viel Spaß.

  • »Imperia« Hafenstraße
    Die ikonische Statue des Bildhauers Peter Lenks, die seit 1993 auf die Hafeneinfahrt herunterschaut.
  • Konzilgebäude Hafenstraße 2
    Hier zankten sich ab 1409 drei Päpste um die alleinige Herrschaft.
  • Rosgartenmuseum Rosgartenstraße 3-5
    1870 von Apotheker Ludwig Leiner gegründet, beinhaltet u.a. Teile seiner Privatsammlung. Highlight: Museumscafè mit Einrichtung einer historischen Wohnstube.
  • Kaiserbrunnen Auf der Marktstätte
    Unter anderem wegen dem Bildniss der Mailänder Herzogs-Tochter Bianca Maria Sforza sehenswert.
  • Konstanzer Rathaus Kanzleistraße 13/15
    Beeindruckt durch seine Fassade und ruhige Innenhöfe.
  • Niederburg Zwischen Konzilstraße und Unterer Laube
    Konstanz ältester Stadtteil erlaubt eine Zeitreise ins Mittelalter.
  • Stadtgarten Konzilstraße/ Hafen
    Stimmungsvoller Garten, der Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Steinen der Stadtmauer aufgeschüttet wurde.
Auf welche kulinarischen Entdeckungen sollte man am See nicht verzichten?

Natürlich werden sich fast alle auf einen Bodenseefisch freuen. Im Obersee schwimmen rund 36 Fischarten. Beliebt sind vor allem der Felchen, der Seesaibling, Seeforelle, Zander und Hecht. Auch für Fische gelten Schonzeiten, es gibt sie also nicht immer. Berühmt ist die Bisonherde, die sich auf dem Bodanrück zwischen Überlinger und Untersee stetig vermehrt: Ende Oktober / Anfang November genießt man ihr Fleisch während der »Bisonwoche« auf dem Hochplateau in der »Bisonstube Bodenwald« und in ausgewählten Restaurants.

Haben Sie einen Lieblingsplatz, um mit Blick auf den See einen Kaffee zu genießen?

Ja, ich gehe einfach auf meinen Balkon. Wenn ich Musik dazu möchte: Ein paar Meter weiter gibt es die vom Kulturbüro organisierten Sommerveranstaltungen »umsonst&draußen« im Seegarten (Jazz, Rock, Theater u. v. m.) mit ausgewählten Künstlern. Dort liegt auch das Seegarten-Restaurant, wie es überhaupt in Allensbach gute, abwechslungsreiche Gastronomie gibt. Manchmal zieht es mich zu meinem alten Freund Harry Leissner nach Wangen auf der Höri. Sein Hotelrestaurant Residenz Seeterrasse liegt fantastisch, und seine Küche ist das, was ich liebe – heimatverbunden, kreativ, großartig im Geschmack. Bei den Bodenseefischen gilt auf seiner Speisekarte: »Es hat, solange es hat.« Punkt.

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